Im Namen der Freundschaft | die mehr als Liebe ist...
Mein Großvater Július Kňazeje diente in einer Alpenschützentruppe der Österreichisch-Ungarischen Armee an der österreichisch-ungarischen Grenze, als der 1. Weltkrieg ausbrach. Seine Truppe wurde bald nach Galizien verschoben. Bei einer der Schlachten fiel mein Großvater zusammen mit seinen zwei Freunden in die russische Gefangenschaft. Anschließend verbrachten die drei Freunde: Mein Großvater Július Kňazeje, Slowake, František Popovský, aus Mähren, halb Tscheche und halb Deutscher und Kapitän Lebloch, Tscheche, den Rest des Krieges (etwa vier Jahre) als russische Gefangene in Sibirien. Sie blieben Freunde für den Rest des Lebens, auch nachdem sie in ihre Heimat - die neu gegründete Tschecho-Slowakei zurückkehrten. Die drei und ihre Freundschaft symbolisierte praktisch den gemeinsamen Staat der Slowaken und Tschechen zusammen mit seinen Minderheiten. In Sibirien lebten mein Großvater Július Kňazeje, František Popovský, und Kapitän Lebloch als Kriegsgefangene in einem Dorf zwischen den Städten: Swerdlowsk und Novosibirsk. Zuerst schliefen sie mit dem Vieh in einem Stall. Im Winter war es noch für sie in Ordnung, sie waren doch Gefangene, aber im Sommer konnten sie es nicht ertragen und entschieden sich, ein eigenes Haus zu bauen. Weil sie geschickt waren und den Dörflern immer bereitwillig halfen, halfen die Dorfbewohner wieder ihnen beim Bau eines Holzhäuschens. Nach der Rückkehr in die neu gegründete Tschecho-Slowakei malte Kapitän Lebloch das gemeinsame Holzhäuschen in Sibirien, in dem er und seine Freunde beinahe den ganzen Krieg verbracht hatten. Das Gemälde des Häuschens stammt aus 1927 (in der linken Ecke des Bildes kann man das Jahr ganz schön noch lesen) und z. Z. ist es im Besitz von František Popovský (87 Jahre alt), dem Sohn des ehemaligen russischen Kriegsgefangenen. Seiner Ansicht nach soll das hölzerne Häuschen der drei Freunde noch immer in Sibirien stehen. Mein Großvater Július erzählte mir, dass er seine „Karriere“ als russischer Kriegsgefangene in jenem Dorf mit der Erzeugung eines Sargs startete. In jener Zeit starb die Köchin eines örtlichen Landherrn und weil sie sehr dick war, hatte man keinen geeigneten Sarg für sie. Mein Großvater war manuell außerordentlich gewandt (und blieb es bis zu seinem Tod), so stellte er für die arme Frau einen hölzernen Sarg her, später sollte er ganze Wagen auch mit Rädern für die Dörfler schaffen. Die drei Kameraden waren bemüht, sich zu helfen, wie es nur zu jener Zeit und an jener Stelle möglich war. Sie machten Geschäfte mit Pelzen und geräucherten Lachsen, selbstverständlich, schwarz. Sibirien war und ist ein weitläufiges Land, bedeckt mit Eis und Schnee, es war nirgendwohin zu fliehen. Der Großvater erwähnte, dass er ziemlich viel Geld dann in die Heimat mitgebracht hatte; das russische vorrevolutionäre Geld war natürlich in 1919 in der Tschecho-Slowakei ohne Wert. Nach vier Jahren in Rußland sprach er aber fließend Russisch (außerdem auch Deutsch und Ungarisch), was ihm wieder während des 2. Weltkrieges ermöglichte, mit russischen Partisanen und Soldaten zusammenzuarbeiten. Mein Großvater Július und seine Freunde traten nicht in die tschechoslowakischen Legionen, die in Sibirien geformt wurden, ein und kehrten kompliziert durch die bekannte russische Hafenstadt Vladivostok in die Heimat zurück. Bald nach der Rückkehr aus dem Großen Krieg heiratete der Großvater und ließ sich mit meiner Großmutter Eva im Dorf Bošany nieder. Von seinen Kriegskameraden hatte er keine Nachricht. Meine Großeltern waren Landwirte, sie hatten ihren eigenen Hof und etwas Land. Der Großvater widmete sich voll seiner Wirtschaft und seiner Familie (in der Familie gab es vier Kinder). An einem sommerlichen Sonntag Nachmittag in 1934 ging er ins örtliche Hotel, das auch einen Ausschank, zugänglich für die Dörfler hatte. Dort beabsichtigte er ein Glas Bier mit Bekannten zu trinken und sich ein wenig mit anderen Bauern zu unterhalten. Es war doch Feierabend, und die Arbeit des Bauern war und ist auch jetzt schwierig. Am Ausschankpult war der Großvater schon beinahe an der Reihe, als er plötzlich vor sich eine bekannte Stimme hörte, um Bier zu bitten. Gleich erkannte er seinen Kriegskameraden František Popovský! Herr Popovský hatte zu diesem Zeitpunkt schon mehr als zwei Jahre in dem selben Dorf Bošany gelebt. Im Dorf Bošany hatte nämlich der bekannte Unternehmer Tomáš Baťa in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts eine Gerberei errichtet, um Leder für seine nahe gelegene Schuhfabrik in Baťovany (jetzt Partizánske) zu produzieren. Und Herr Popovský war zufällig in der Gerberei bei Herrn Baťa angestellt. Er hatte seit zwei Jahren in Bošany vor dem Wiedersehen mit meinem Großvater gelebt, und die beiden trafen sich nicht, erst an dem denkwürdigen Sonntag Nachmittag! Von dem Moment an waren sie wieder zusammen und halfen sich, wie sie konnten, z. B. bei der Ernte, mit den Kindern, usw.; sie waren ihren Kindern gegenseitig Firmväter, die Frauen wieder Firmmütter. Sie waren zusammen, bis Herr Popovský mit der Familie die Slowakei verließ. Von Baťas Gerberei wurde fast jeden Tag eine Lieferung vom hergestellten Leder per LKW nach Zlín befördert, wo der Unternehmer Baťa noch eine andere Fabrik hatte. Einmal begleitete die Lieferung auch Herr František Popovský. Der Weg führte durch die slowakische Stadt Trenčín. Am Rande der Stadt stand (und steht heute noch) eine Militärkaserne. Nicht weit von dem Haupteingang zur Kaserne zersprang plötzlich ein Reifen am Lastkraftwagen, in dem Herr Popovský saß. Herr Popovský stieg aus dem Wagen aus und bat den am Tor dienenden Soldaten um Hilfe. Der Soldat telefonierte mit seinem Befehlshaber und forderte die Bewilligung, den Posten zu verlassen und Hilfe zu leisten. Danach verließ der angerufene Kommandant sein Büro und kam zu dem kaputten Wagen, um die Lage zu besichtigen. Und wie es sich zeigte, es war Major Lebloch, der dritte Kriegskamerad und ehemaliger russischer Kriegsgefangene, jetzt schon Kommandant der ganzen Garnison in Trenčín! Herr František Popovský und Major Lebloch begannen vor Freude am Wiedersehen gleich an der Straße zu tanzen. Bis zum Jahre 1939 unterhielten dann alle drei Kriegsfreunde: Július Kňazeje, František Popovský und Major Lebloch freundschaftliche Beziehungen. Dann aber begann der 2. Weltkrieg, der alles veränderte und trennte auch diese Freunde. Praktisch für ewig. Zusammengefasst von Jana Judinyová - Babirátová (Enkelin) aus Trnava, Slowakei
CREATOR
Jana Judinyová - Babirátová
DATE
1914 - 1939
LANGUAGE
deu
ITEMS
2
INSTITUTION
Europeana 1914-1918
PROGRESS
METADATA
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Hubert Frenzel stammte aus Ratibor und wurde 1916 mit bereits 17 Jahren Vater. Maria, die Mutter des Kindes, war eine zehn Jahre ältere Lehrerin, die mit einem Schuldirektor verheiratet war. Maria hatte zu dieser Zeit bereits einen zehnjährigen Sohn, mit dem zeitlebens eine gute Beziehung bestand. Ihr Mann trennte sich aufgrund der Affäre von ihr. Sie zog daraufhin zu ihrer Mutter nach Neustadt (Schlesien). Die Tochter wurde auf einer jüdischen Schule angenommen, wo sie den Namen des Vaters tragen durfte. Maria schrieb Hubert in einer Weihnachtspostkarte 1916 mit dem Bild der gemeinsamen Tochter Ilse auf Englisch: In stars it is written. It see again, these love themselves. Die Bedeutung dieser Zeilen bleibt unklar. Hubert war während des Krieges in Frankreich eingesetzt. Er diente 1916 als Musketier in der 1. Maschinengewehr-Kompanie des 62. Infanterie-Regiments, das zur 12. Infanterie-Division gehörte. Im Krieg sammelte er verschiedene Souvenirs aus eroberten Gebieten. Er berichtete dazu, dass er, wie jeder andere auch, einfach zugegriffen habe. Um welche Objekte es sich genau handelte ist unbekannt. In seinem Brief an seine Frau (My darling) vom 04.09.1918 aus dem Lazarett Avesnes, schreibt er von einem Gefecht, bei dem er verschüttet wurde, sich jedoch rechtzeitig befreien konnte. Er erlitt dabei aber einen Nervenschock. Als Hubert aus dem Krieg zurückkehrte, zog das Paar nach Hamburg. Geschieden wurde Marias Ehe jedoch erst 1925. Daraufhin konnten die beiden heiraten und führten eine glückliche Ehe. Zu einem Hochzeitstag plakatierte er mit Heftzwecken die gesamte Zimmerdecke mit Rosen. Er galt zudem als großer Karl-May-Liebhaber, der sogar mit dessen Witwe korrespondierte und alle verfügbaren Bände erwarb. || Ein Brief von Hubert Frenzel an die Mutter seines Kindes, das zweite Blatt ist nicht mehr vorhanden; eine an ihn adressierte Postkarte von seiner Frau Maria zu Weihnachten 1916 mit dem Foto seiner Tochter Ilse als Kleinkind als Bildmotiv. Auf der Vorderseite ist noch vermerkt: Innige Weihnachtswünsche Auf Wiedersehen!.
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