Kriegstagebuch von Unteroffizier Hinrich Oetjen aus Oberende
Hinrich Oetjen wurde am 7. Juni 1892 in Oberende geboren. 1912 musste er Soldat werden. Nach einem Jahr Dienstzeit wurde ihm als Gefreiten die Ausbildung der Einjährigen übertragen. Als Abschluss der zweijährigen Militärzeit ging es dann im Juli 1914 nach Münster ins Manöver. Anstatt aber nach Hause zu kommen, wurde er bei Kriegsausbruch als Soldat in der 2. Kompanie des 75. Infanterie-Regiments nach Belgien und anschließend nach Frankreich geschickt.
1917 wurde er bei Irlis beim Rückzug auf eine neue Stellung im dichten Nebel durch einen Schuss auf den Stahlhelm verwundet. Dabei war ein Stück vom Stahlhelm in den Hinterkopf eingedrungen, was zur Folge hatte, dass seine beiden Beine gelähmt waren. Er versuchte dann, lediglich mit Hilfe der Hände die neue Stellung der Deutschen Armee zu erreichen.
Während seines Versuchs, kam er durch einen neu errichteten englischen Graben bis vor den Drahtverhau seiner Kameraden. Als er sich ausruhte, wurde er von einer englischen Patrouille entdeckt. Die Engländer suchten dann einen Knüppel, auf den er sich setzte musste, und trugen ihn weg. Seine Gefangennahme erfolgte einen Tag bevor Oetjen seinen Dienst bei der Fliegertruppe antreten sollte.
Nach Ankunft in einem Lazarett in London, bekam er wenige Tage später Kopfschmerzen und Fieber. Die Ärzte stellten fest, dass ein Blechstück in seinem Kopf stecken geblieben war. Die Ärzte tauchten einen Lappen mehrmals in heißes Wasser und legten diesen auf seinen Kopf. Anschließend wurde das Blechstück mit einer Pinzette herausgezogen.
Erst ein dreiviertel Jahr später, mittlerweile befand Oetjen sich in einem Kriegsgefangenenlager in Stafford, konnte er wieder laufen. Zuerst nur, wenn er die Beine krampfhaft gerade hielt. Wenn er an etwas anderes dachte und nur kurz abgelenkt war, fiel er hin.
Über die Kriegsgefangenschaft in England berichtete er, dass die Gefangenen sehr wenig zu essen bekommen hätten. Allerdings hätten sie auch nicht arbeiten müssen und stattdessen einen Schulbetrieb eingerichtet. Sein Kamerad Friedrich Prüser (später Direktor des Staatsarchivs Bremen) gab Deutschunterricht, Oetjen selbst unterrichtete Landwirtschaft (er hatte einst zwei Semester an der Landwirtschaftlichen Fachschule in Bremen gelernt). Dabei habe sich herausgestellt, dass sich auch einige Akademiker unter den Kriegsgefangenen befanden.
Im November 1919 kehrte er aus der Kriegsgefangenschaft aus England nach Hause zurück.
Abschrift der Kriegstagebücher von Hinrich Oetjen vom 29. Juli 1914 bis 8. Mai 1915 sowie vom 15. April 1915 bis zum 26. Juni 1916 in pdf-Format. Die Originale befinden sich im Staatsarchiv Bremen.
CONTRIBUTOR
Hinrich Oetjen
DATE
1914-07-29 - 1916-06-26
LANGUAGE
deu
ITEMS
61
INSTITUTION
Europeana 1914-1918
PROGRESS
METADATA
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