Tante Annas Hochzeit - Die Geschichte der Margarete Gelbhaar
Hochzeitsfoto der sächsischen Großfamilie Behnisch (1914), Konfirmationsfoto der Margarete Gelbhaar (1918), Portrait der Margarete Gelbhaar (1937), Portrait der Margarete Gelbhaar (1979), Situationsfoto (Margarete Gelbhaar, strickend vor Fernsehgerät, 1993)
Die Hochzeit einer Tante meiner Großmutter Margarete Minna Gelbhaar, geborene Behnisch. Meine Großmutter ist hier zusammen mit ihren drei Schwestern zu sehen, sie ist das größte der Mädchen, vorn links im Bild. Ihre Eltern Max und Minna Behnisch stehen in der hintersten Reihe ganz rechts außen. Familie Behnisch lebte im mittelalterlichen Elbdörfchen Leckwitz bei Meissen. Vater Max war Industriearbeiter und erwirtschaftete seiner am Ende achtköpfigen Familie bescheidenen Wohlstand. Man bewohnte ein kleines Haus mit großem Garten, der die Versorgungsengpässe des ersten Weltkriegs leidlich ausgleichen konnte, von denen Max Behnisch eines als Soldat an der Front verlebte. Margarete sprach als alte Frau oft davon, wie ihr Vater von seinen Fronterlebnissen erzählt hatte: Er war physisch unversehrt geblieben, doch das Grauen, das er miterlebt hatte, hatte ihn bis zu seinem Tod nicht mehr losgelassen.
Als Zweitgeborene mußte meine Großmutter, vor allem während des Kriegs, bei der Haus- und Gartenarbeit helfen und ihre jüngeren Geschwister behüten. 1917 endete ihre Schulzeit. Sie arbeitete nun zunächst als Erntehelferin, dann als Dienstmädchen in wechselnden Anstellungen. Nachdem sie sich mit ihrer Jugendliebe, dem Nachbarsjungen Erich Oswald Gelbhaar verlobt hatte, ging sie zusammen mit ihrer Schwester Dora nach Dresden. Beide arbeiteten dort in einem Krankenhaus. Während ihr Verlobter Erich in Dresden und Hamburg zum Binnenschiffer ausgebildet wurde, ging Margarete als Dienstmädchen nach Mittenwald (Bayern). 1925 heirateten Margarete und Erich und waren von nun an permanent auf Schiffen zu Hause. 1937 wurde Erich Schiffsführer eines Frachtschiffs mit Eigenantrieb, dessen Kapitän er bis um Ende seines Berufslebens 1967 bleiben sollte. Er und Margarete passierten alle großen deutschen Wasserstraßen und Kanäle und kamen im Lauf ihres Lebens mit ihrem Schiff bis nach Frankreich, in die Schweiz, nach Tschechien und in die Beneluxstaaten. 1943 lagen sie während des Hamburger Feuersturms mit ihrem Schiff mitten in der Stadt und blieben unversehrt. 1945 kam ihr einziges Kind, Helga, zur Welt. Die Tochter wurde 1953 im niederrheinischen Spellen eingeschult. Im benachbarten Emmelsum richtete Margarete jetzt eine Wohnung für die Familie ein, während Erich weiter sein Schiff fuhr. Das Familienleben fand ab jetzt nur noch während der Schulferien statt. 1965 wurde Margarete Großmutter. Sie lebte nun in Fiedrichsfeld am Niederrhein, bis 1918 ein Truppenübungsplatz und Kriegsgefangenenlager. 1973 starb ihr Mann Erich. Sie überlebte ihn um mehr als 20 Jahre und starb 90jährig in Rees.
Photograph
Hochzeit
CREATOR
Jens E. Gelbhaar
DATE
1914
LANGUAGE
deu
ITEMS
5
INSTITUTION
Europeana 1914-1918
PROGRESS
METADATA
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