Ein Brief der nie ankam
Feldpostbrief von Amalie Griesang an ihren Mann (24.04.1917):
Mein lieber Oskar!
Deine liebe Karten vom 12. + 13.4. vergangene Woche erhalten. Vielen Dank. Leider kann ich dieselben erst jetzt beantworten. Denn ich habe furchtbar viel Arbeit gehabt. Ernstchen war krank, Mama und Frieda, ich hatte hier ein richtiges Lazarett. Dabei musste ich dann auch noch alle Ausgänge und Hausarbeiten verrichten. Ernstchen ist, Gott sein Dank, wieder sehr mobil und Mama kriegt (?) so herum. Vergangene Woche habe ich Dir Pantoffel, Zigarren, Kuchen und Speck für Dich abgeschickt, 4 Pakete, hast Du dieselben schon erhalten? Sollten die Pantoffel nicht passen so schicke sie mir wieder zurück. Morgen schicke ich Strümpfe, Fußlappen und Seife u.s.w. Bringe jetzt die Pakete alle nach Dortmund, von dort aus bekommst Du sie schneller. Wie geht es Dir, mein lieber Mann. Ach, ich habe jetzt so Sorge um Dich, wo dort die großen Gefechte sind. Ernstchen betet jeden Abend für Dich. Wäre doch einmal Frieden, damit wir alle wieder zusammen sein könnten! Ernstchen spricht so viel von Dir, ist überhaupt ein lieber Kerl und auch so schlau. Mama musste sich jetzt mal brechen weißt Du was er da zu ihr sagte: „Du Schweinehund“. Papa hat sich jetzt als er Nachtdienst hatte in unser Bett gelegt; da kommt er ganz entrüstet zu mir in die Küche, und sagte: „Der Gustav in meine Heia liegt. Also das war ihm doch nicht klar, dass sich der Opa in sein Bett gelegt hatte! Kannst Du noch keinen Urlaub bekommen? Papa ist am Sonntag vor acht Tagen 60 Jahre alt geworden . Diese Woche gehen Ernstchen und ich nach Witten zum Fotograph, sollte dann sofort ein Bild haben. Von hier werden jetzt so viele Kinder nach Ost= und Westpreußen, Pommern, Oldenburg, Hessen zur Erholung fort geschickt. 4 Monate müssen die Kinder dort bleiben. Ernstchen läßt mir jetzt keine Ruhe mehr, er muß erst ein bißchen an Papa schreiben. Lieber Papa, komme doch bald nach Mama und Ernstchen. Es küßt Dich ganz herzlich Dein Dich liebendes Ernstchen
Lege einen 5 Lbk (?) bei. Teile mir bitte sofort mit, ob Du alles erhalten hast.
Stets Deiner in Liebe gedenkend grüßt und küßt Dich Deine Dich liebende Mally. 23.4.17
Herzliche Grüße von Papa, Mama, Emil\n (An: Feldpost Grenadier O. Griesang, 6. Kompagnie, Infterie Rgt. 388. In roter Aufschrift: Verwundet! An Abs. zurück! , sowie Stempel: zurück; Poststempel: Annen, 24.4.17 9-10 V.; Von: Abs. Frau O. Griesang, Annen i.W. Ardeystr.21.)
Dieser Feldpostbrief meiner Großmutter an ihren Mann, kam zurück, da mein Großvater Oskar Griesang am 19.4.1917 verwundet worden war und am 1.5.1917, dem zweiten Geburtstag meines Vaters, verstarb.
CONTRIBUTOR
Risto Griesang
DATE
1917-04-19 - 1917-05-01
LANGUAGE
deu
ITEMS
6
INSTITUTION
Europeana 1914-1918
PROGRESS
METADATA
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